Haltungs- und Bewegungssystem
 

Was versteht man unter einem Haltungs- und Bewegungssystem? 

bewegung.jpg Mit diesem Begriff bezeichnet man im Allgemeinen die Bewegungsorgane des Menschen. Sie bestehen aus passiven (Knochen, Bänder, Gelenke, Sehnenscheiden) und aktiven Anteilen (Muskeln, Sehnen).

Ein ausgewachsener Mensch verfügt über 206 Knochen, von denen sich etwa die Hälfte in Händen und Füßen befinden. Diese Knochen des Skeletts sind durch Gelenke oder Fugen (Bindegewebe oder Knorpel) beweglich miteinander verbunden und verleihen dem Körper Schutz und Stabilität. Die wichtigste Komponente des passiven Systems ist die Wirbelsäule.

Hauptbestandteil des aktiven Bewegungssystems ist die Muskulatur, die durch einfaches Zusammenziehen (Kontraktion) für jede Bewegung des Körpers verantwortlich ist. Allein die Augenmuskeln bewegen sich über 100.000 mal am Tag. Die „Befehle" zur Kontraktion entstammen fast immer aus einem Zusammenspiel von Sinnesorganen, Nerven und dem Gehirn. Eine Ausnahme ist zum Beispiel das Herz (Organmuskulatur). Dieser Muskel wird automatisch/unwillkürlich nur über das Nervensystem gesteuert. Die Skelettmuskulatur dagegen kann auch willentlich angesprochen werden. Beispiel: kommt uns etwas zu nahe ans Auge, schließt sich das Lid automatisch (Reflex). Wollen wir jemandem zuzwinkern, betätigen wir den Lidmuskel bewusst/willkürlich. Der Mensch verfügt über 656 Muskeln, wovon über 600 der Skelettmuskulatur zuzuordnen sind.

Was sind die häufigsten Beschwerden beim Haltungs- und Bewegungssystem?

Das komplexe Bewegungssystem des Menschen ist bestens dafür ausgestatt, um täglich eine Strecke von 20 bis 40 km zurückzulegen. In den modernen Industrienationen, mit ihren automatisierten Abläufen und Techniken, reduziert sich die Leistung auf durchschnittlich 1 bis 2 km. Daraus resultiert eine massive Unterforderung, die nicht selten zu Rücken- oder Gelenkbeschwerden führt. Nur eine angemessene, kontinuierliche Beanspruchung unseres Bewegungsapparates gewährleistet langfristig seine Funktion.

Bewegungs-
apparat
Möglichkeiten der positiven Beeinflussung
(neben entsprechenden Ernährungsanpassungen)
Gelenke
Gelenke reagieren auf Unter- (Bewegungsmangel) und Überforderung (beanspruchende Sportarten oder schwere, körperliche Tätigkeit) mit Funktionseinschränkungen oder Beschwerden. Als Folge kann es zu Arthrose (Osteoarthritis), Gicht (Hyperurikämie) und rheumatischen Erkrankungen kommen.
 
Regelmäßige und maßvolle Belastungen durch Ausgleichsgymnastik oder Sportarten wie Nordic Walking, Fahrradfahren, Schwimmen oder Wandern verringern das Risiko von Gelenkerkrankungen.
 
Übergewicht: einziges Mittel gegen hohe Druckbelastung, besonders auf Knie- und Hüftgelenk ist die Gewichtsreduktion durch Bewegung und gesunde Ernährung 
Wirbelsäule
Die Wirbelsäule, als zentrale Achse des Menschen, besteht aus 32 Wirbelknochen, die durch Bandscheiben miteinander verbunden sind. Sie hält einer Belastung bis zu einer Tonne stand und ist dabei äußerst beweglich. Haltungsfehler oder einseitige Belastungen (z.B. durch übermäßiges Sitzen) können zu Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall und Haltungsschäden führen.
 
Eine gesunde Wirbelsäule braucht Druck- und Zugbelastung, die durch Beweglichkeits- und Koordinationstraining, Funktionsgymnastik sowie die folgende Sportarten positiv unterstützt werden: Joggen, Krafttraining, Rückenschwimmen, Radfahren. Tanzen, Skilanglauf, Aerobic, Badminton und Reiten.
 
Um seelischen Ursachen vorzubeugen, empfiehlt sich das Erlernen und Praktizieren von Entspannungstechniken.
Muskulatur
Die Muskulatur erhält sich durch Dehnung, Streckung und Kontraktion. Unterforderung führt in sehr kurzer Zeit zu Gewebeabbau und Verhärtungen, was erhebliche Mobilitätseinschränkungen zur Folge haben kann. Daher gilt jede Art von angepasster Bewegung - von Gymnastik bis Ballsport - als gut.
 
Aber Vorsicht! Zuviel Ehrgeiz beim Sport oder ungewohnte Anstrengungen können zu den folgenden Beschwerden und Verletzungen führen:
  • Muskelkrampf
  • Muskelkater
  • Muskelzerrung
  • Muskelfaserriss
Knochen
Die Skelettknochen stellen feste Ansatzstellen für die Muskulatur dar und bestehen zu 60% aus Kalziumsalzen, zu 30% aus kollagenen Fasern und zu 10% aus Wasser, Zellen und Gefäßen. Neben genetischen (Achondroplasie)-, hormonellen (Osteoporose)-, ernährungsbedingten (Rachitis, Osteomalazie)- oder Autoimmunstörungen (rheumatoide Arthritis) treten mit zunehmendem Alter auch Verschleißerscheinungen am Knochen auf, die ihn porös und brüchig machen (ab dem 40. Lebensjahr beträgt die jährliche Abbaurate bei Frauen ca. 1,5 - 2%, bei Männern etwa 0,5 - 0,75%).
 
Neben einer kalziumreichen Ernährung, die zu einer Verdichtung des Knochens beiträgt, empfehlen sich zur Prävention alle Sportarten, die nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen belasten. Dazu zählen: Aerobic, Steppen, Joggen, Ballspiele wie Tennis und Golf, Krafttraining und Turnen.
 
Wichtig ist auch der Aufenthalt im Freien, da durch die Sonnenbestrahlung körpereigenes Vitamin D gebildet wird, das den Knochenstoffwechsel anregt.
Bänder (Ligamente)
Bänder sind dehnbare Bindegewebsstränge, die entweder rund oder flach geformt sind. Sie verbinden Knochen miteinander und bestehen im Wesentlichen aus drei Typen:
 
  • bewegungseinschränkende Bänder (z.B. an der Hüfte)
  • bewegungsführende Bänder (z.B. Kreuzband am Knie)
  • haltende Bänder (z.B. Ringband an Finger oder Zeh; es hält die verbundenen Knochen in ihrer Funktionsstellung)
Werden Bänder nicht ausreichend gedehnt, verkürzen sie sich und verkleben, was erhebliche Einschränkungen des Bewegungsablaufes mit sich bringen kann. Andererseits führt eine Überdehnung (z.B. beim Umknicken eines Gelenks) zu Verstauchungen bis hin zum Bänderriss.
 
Als sanfte Möglichkeit zum Erhalt der Bänderfunktion bieten sich die folgenden Sportarten besonders an: Nordic Walking, Wandern, Skilanglauf, Gymnastik, Fahrradfahren und Schwimmen. 
Sehnen
(Tendo)
Im Gegensatz zu den Bändern verbinden die Sehnen einzelne Knochen mit ihren Muskeln und bestehen zum größten Teil aus kollagenen Fasern. Sie leiten die Kraft des Muskels an den Knochen weiter und sorgen so für Bewegung. An Stellen, an denen die Sehnen großer Reibung ausgesetzt sind - etwa am Handgelenk - bilden sich die Sehnenscheiden, die die auftretenden Kräfte optimal absorbieren können.
 
Auf Training reagieren Sehnen mit der Steigerung des Kollagenanteils, was ihre Belastbarkeit erhöht. Bei Bewegungsmangel kommt es nach kurzer Zeit bereits zur verminderten Kollagenbildung, die ein Verletzungsrisiko stark ansteigen lassen. Chronische Überlastungen, z.B. durch übermäßigen Sport (Tennis, Badminton, Squash) oder monotone Beanspruchungen (Schreiben an Tastaturen) führen zu entzündlichen Prozessen des Sehnengewebes (Tendinitis, Sehnenscheidenentzündung), wohingegen starke Druckbelastungen einen Sehnenriss verursachen können.
 
Sanfte Trainingsmöglichkeiten der Sehnen entsprechen den Empfehlungen für die Bänder.